Harnröhrenentzündung (Urethritis)
Geschrieben am 28. Juli 2009
Als Harnröhrenentzündung bezeichnet man eine Schleimhautentzündung im Bereich der unteren Harnwege, die durch eine Infektion mit Bakterien hervorgerufen wird. Sie betrifft Männer und Frauen gleich häufig, weltweit gibt es ca. 200 Millionen gemeldeter Neuinfektionen. Besonders Menschen im Alter von 20 – 40 Jahren sind betroffen, da bei ihnen die sexuelle Aktivität höher ist. Es wird bei der Harnröhrenentzündung zwischen der Urethritis gonorrhoica und der Urethritis non gonorrhoica unterschieden.
Übertragung
Die meisten Infektionen geschehen in der Folge von sexuellen Kontakten, seltener kommt es zum Eindringen von Bakterien aus den oberen Harnwegen oder einer Harnröhrenentzündung als Folge anderer Erkrankungen. Eine Infektion ist bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr wahrscheinlicher, doch auch die Verwendung von Kondomen bringt keine absolute Sicherheit, da eine Schmierinfektion sehr leicht und schnell geschieht. Beim natürlichen Geburtsvorgang (nicht beim Kaiserschnitt) kann es zu einer Infektion des Kindes kommen, in deren Folge eine Bindegewebs- oder Lungenentzündung droht, die aber normalerweise ohne Folgen abheilt.
Urethritis gonorrhoica
Die Urethritis gonorrhoica ist besser bekannt als Gonorrhö oder Tripper. Sie wird durch den Erreger Neisseria gonorrhoeae verursacht, der sich an die Schleimhautzellen der Harnröhre bzw. des Gebärmutterhalses anheftet. Die Inkubationszeit beträgt etwa 2 bis 7 Tage, danach kommt es zu einer Harnröhrenentzündung mit Juckreiz und eitrigem Ausfluss, die unbehandelt etwas acht Wochen andauert. Im ungünstigen Fall kann es aber auch zu einer Ausbreitung der Krankheit kommen, die unter Umständen auch zur Unfruchtbarkeit führt.
Dringen die Erreger gar in den Blutkreislauf ein, so kann es zu einer Hirnhaut- oder Herzmuskelentzündung kommen, deren Verlauf auch heute noch tödlich sein kann.
Urethritis non gonorrhoica
Die Urethritis non gonorrhoica ist die in den Industrieländern am häufigsten verbreitete Geschlechtskrankheit. Sie wird meistens durch die bakterielle Infektion mit Chlamydien hervorgerufen. Chlamydien sind kleine Bakterien, die sich im inneren der Zellen befinden und sich dort vom ATP ernähren. In tropischer Umgebung können diese Erreger auch das sog. Trachom hervorrufen, eine Augenkrankheit, die unbehandelt zum Erblinden führt.
Meistens bleibt die Urethritis non gonorrhoica ohne große Symptome, sie kann zum erschwerten Harnlassen führen, bei Männern kommt es gelegentlich zu einer Harnröhreninfektion mit einem klaren Ausfluss. Bei Männern bleiben etwa 25% der Infektionen unerkannt, bei Frauen sind es selbst bei chronischen Entzündungen 75% der Fälle, die unentdeckt bleiben.
Sind von der Entzündung die Eierstöcke betroffen, kann es in Folge einer andauernden Infektion mit Chlamydien zur Unfruchtbarkeit durch die Verklebung der Eileiter kommen.
Komplikationen in Folge einer Harnröhrenentzündung
Bei Männern kann eine Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis im ungünstigen Fall zu einer Entzündung der Vorsteherdrüse und der Nebenhoden führen. Diese Entzündungen können sehr schmerzhaft sein und auch Fieber und Schüttelfrost hervorrufen.
Bei Frauen treten bei unbehandelten schwereren Entzündungen mit Chlamydia trachomatis eitrige Herde in der Vagina auf. Dringen Erreger in den Bereich der Eileiter und Eierstöcke ein, kann es dort zu einer akuten Entzündung kommen, die mit Fieber und Unterleibsschmerzen verbunden ist. Im Extremfall kommt es zu einer akuten Entzündung des Bauchfellüberzugs der Leber (”Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom”) Die Frauen haben dann starke Schmerzen im Oberbauch und Fieber.
Als postinfektiöse Komplikation sind sowohl bei Männern, als auch bei Frauen Entzündung der Gelenke möglich.
Therapie
Da es sich bei der Entzündung der Harnwege um eine bakterielle Infektion handelt, kann diese gut mit Antibiotika behandelt werden. Dazu wird ein sog. Screening durchgeführt, bei dem die verschiedenen Bakterien bestimmt werden, um gezielt das richtige Antibiotikum auszuwählen.
Wird die Infektion erkannt und mit entsprechenden Antibiotika behandelt, heilt die Erkrankung meist ohne Folgeschäden aus.



