Bulimia nervosa (Bulimie)
Geschrieben am 28. Juli 2009
Bulimie ist eine sog. Ess-Brech-Sucht, bei der sich Essanfälle und Erbrechen abwechseln. Die betroffenen Menschen, fast ausschließlich Frauen, leiden unter Heißhungerattacken, bei denen sie während eines Anfalls durchschnittlich 3500 Kalorien zu sich nehmen. Um nicht zuzunehmen, wird anschließend erbrochen, manche Frauen nehmen zusätzlich noch Medikamente. Im Gegensatz zur Magersucht sind die Patienten jedoch normalgewichtig, weshalb eine Bulimie auch von der Umwelt erst spät oder gar nicht wahrgenommen wird.
Bulimie ist meist begleitet von depressiven Verstimmungen, die aber von den Patienten ebenfalls versteckt werden. Nach durchschnittlich fünf Jahren wird das erste Mal ein Arzt konsultiert, mit dessen Hilfe eine Diagnose und anschließende Therapie möglich sind. Die Heilungschancen mit Hilfe einer Therapie liegen bei ca. 50%.
Ursachen der Bulimie
Störungen des Essverhaltens haben ihre Ursache sehr oft in der irrealen Angst vor einer Gewichtszunahme. Man will schlank sein und dem Schönheitsideal der Gesellschaft entsprechen.
Warum dieser Wunsch bei manchen Menschen in einem krankhaften Verhalten mündet, ist nicht vollständig geklärt, jedoch gibt es wiederkehrende Muster. Oft beginnt eine Essstörung in der Pubertät. Die betroffene Person fängt an, ihren Körper zu beobachten, erfährt positive Reaktionen der Umwelt auf eine Gewichtsreduktion und entwickelt so den unbändigen Wunsch, schlank zu sein.
Auch familiäre Einflüsse spielen eine Rolle. Das erlernte Essverhalten (es wird aufgegessen), bei dem die Kinder unter Leistungsdruck gestellt werden, anstatt ihnen beizubringen, auf das Hunger- und Sättigungsgefühl zu hören, spielt eine große Rolle. Ebenfalls kann eine fehlende Unterstützung durch die Eltern bei der Entwicklung einer selbstbewussten und selbständigen Persönlichkeit ein wesentlicher Grund sein, wieso sich eine nervöse Essstörung entwickelt.
Das Essverhalten
Patienten mit Bulimie kennen drei typische Phasen, die bei allen mehr oder wenig ähnlich ablaufen. Erste Phase ist meistens der Beginn einer Diät. Um schnelle Erfolge zu verzeichnen, wird diese Diät sehr radikal durchgehalten, was zu einem übermäßig starken Hungergefühl führt. In der zweiten Phase hat der Patient Heißhunger, dem er nicht mehr wiederstehen kann. Oft wird in der Nacht der Kühlschrank geplündert und es werden Unmengen an Kalorien verzehrt. Dabei geht es weniger um das Geschmackserlebnis, denn es kommt auch vor, dass solche Patienten einfach mal ein Paket Butter essen. Der Körper dieser meist jungen Frauen fordert einfach mit Gewalt, was ihm vorenthalten wurde. Begünstigt durch den übervollen Magen, folgt nun die Phase drei, das Erbrechen. Die Patienten gehen auf Toilette und übergeben sich dort, entweder mit Hilfsmitteln oder einfach durch einen Finger, den sie in den Mund stecken.
Therapie
Für die Behandlung von Bulimie stehen sowohl kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen zur Verfügung, die sowohl in einer Klinik, als auch ambulant durchgeführt werden können. Je nach Dauer und Stärke der Erkrankung, können bereits gesundheitliche Schäden aufgetreten sein, die den Aufenthalt in einer Klinik notwendig machen.
In erster Linie ist es notwendig, das Essverhalten der Patienten radikal zu ändern, um einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorzubeugen, der durch die Diätphasen droht. Die Menge der Nahrungszufuhr muss geregelt werden, wobei gleichzeitig natürlich auf eine gesunde Ernährung geachtet wird. Um den Patienten über die Gefahren seines Verhaltens aufzuklären, gibt es begleitende ernährungswissenschaftliche Kurse. Die Therapie basiert auf einer größtmöglichen Eigenverantwortung des Patienten, da dieser später für den dauerhaften Erfolg der Behandlung verantwortlich ist.
Als langfristige Maßnahme bietet sich eine Psychotherapie an, bei der die Ursachen der Bulimie aufgedeckt werden sollen. Je nachdem, was die Bulimie ausgelöst hat, ist eine Familien-, Gestalt-, oder Gesprächstherapie geeignet, bei der gemeinsam mit einem Therapeuten auch Regeln für ein neues Verhalten aller Beteiligten erarbeitet werden.
Es gibt auch viele Selbsthilfegruppen, in den sich die betroffenen Menschen zusammenfinden, um gemeinsam Erfahrungen auszutauschen. Gerade das Akzeptieren der Erkrankung ist für Bulimie-Patienten wichtig, damit sie geeignete Schritte unternehmen, um zu einem neuen Leben zu finden. Selbsthilfegruppen bieten den Schutz der Gruppe, sie versperren aber auch den Weg zurück in die Anonymität, was ein sehr wichtiger Schritt auf dem Weg zur Heilung sein kann.
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Der Text ist sehr absolut formuliert.
Zwar wird “Bulimie” mit “Ess-Brech-Sucht” übersetzt, doch gibt es auch Formen dieser Krankheit, bei denen sich die Essanfälle nicht mit Erbrechen abwechseln. Es wird hier nicht darauf eingegangen, dass es sich allgemein um Maßnahmen handeln kann, das Gegessene zu “kompensieren” – z. B. mit ausschließlichem Medikamentenmissbrauch (Laxantien, Diuretika) oder übermäßigem Sport. Weiterhin sind immer mehr Männer betroffen – der Fakt ist aus dem Text nicht ersichtlich.
Zudem kann man die Art und Menge der Lebensmittel bzw. der Kalorien eines Essanfalles nicht pauschal nennen – es sind vielleicht Richtwerte, aber feste Angaben wie “ein Paket Butter” oder “3500 Kalorien sind nicht aussagekräftig.
Die Ursachen der Bulimie sind im Text nur sehr kurz um-/angerissen. Meiner Meinung nach fehlen hierbei Auslöser wie traumatische Erfahrungen und erlernte Verhaltensweisen während der Erziehung, welche nicht das Essverhalten betreffen (wenig Stärkung des Selbstwertgefühls des Kindes, fehlende Wahrnehmung des eigenen Körpers/Körpergefühls).
Das Krankheitsbild ist, wie bei nahezu allen psychiatrischen Krankheiten, sehr komplex und es ist daher verständlich, dass nicht alle Aspekte genannt werden können. Dieser Text informiert oberflächlich über das Thema, für Interessierte mit “Erstkontakt” zu der Materie gibt es allerdings ausführlichere und wissenschaftlichere Quellen.