Rheuma
Geschrieben am 21. Juli 2009
Mit dem Begriff Rheuma (griechisch rheo – ich fließe) werden ganz allgemein Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat bezeichnet, die mit Schmerzen und einer Einschränkung der Beweglichkeit einhergehen können.
Mittlerweile werden bis zu 400 einzelne Erkrankungen unter dem Begriff Rheuma geführt, die sich in ihren Symptomen, dem Krankheitsverlauf und der Prognose von einander sehr unterscheiden können. Die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, wie der Facharzt dazu sagt, können kaum noch überblickt werden, da die Diagnose und Zuordnung nicht immer eindeutig ist.
Die Allgemeinheit hat immer noch die Vorstellung, dass Rheuma eine harmlose Erkrankung sei, unter der nur ältere Menschen leiden, aber auch Jugendliche und Kinder sind von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises betroffen. Verschleißbedingte Gelenkbeschwerden, wie Arthrose, treten zwar meist erst im höheren Alter auf, aber die entzündliche Form, die Arthritis, findet man schon bei jungen Menschen, etwa ab dem 30. Lebensjahr.
Bei rheumatischen Schmerzen werden harmlose Umweltfaktoren wie Kälte, Feuchtigkeit oder Zugluft als Erklärung herangezogen. Das führt dazu, dass viele Menschen sich jahrelang quälen, bevor sie zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. Dass dieses Verhalten grundsätzlich falsch ist, versteht man, wenn einem bewusst wird, dass rheumatische Erkrankungen auch tödlich verlaufen können, besonders dann, wenn sie dem Bereich der Autoimmunerkrankungen zuzuordnen sind.
Rheumaklinik
Wegen der großen Anzahl an rheumatischen Erkrankungen ist es nicht möglich, hier speziell auf die einzelnen Krankheiten und deren Therapie einzugehen. Für die Behandlung von Rheuma gibt es jedoch Rheumakliniken, die sich auf diese Patienten spezialisiert haben. Speziell ausgebildete Internisten und Orthopäden widmen sich hier den unterschiedlichen Krankheitsbildern.
Entstehung und Verlauf von Rheuma
Viele rheumatische Erkrankungen gehören zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem Gewebe oder Organe fälschlicherweise angreift.
Die Ursachen dafür, weshalb das Immunsystem diese Fehlreaktionen veranlasst, sind noch immer weitgehend unbekannt, es gibt lediglich Ansätze, die einige Zusammenhänge vermuten oder belegen. Es scheint jedenfalls so zu sein, dass mehrere verschiedene Ursachen entweder einzeln oder auch gemeinsam diese Autoimmunerkrankung hervorrufen. Dazu gehören auch die erbliche Veranlagung, was einen Einfluss von genetischen Faktoren vermuten lässt. Auch als Folgeerkrankung von verschiedenen Infektionen kann Rheuma auftreten.
Als Folge von chronischen Entzündungen entstehen oft die gelenkbezogenen Formen des Rheumas. Die Patienten leiden erst unter schmerzhaften Schwellungen oder Ergüssen der Gelenke, später dann unter Gelenkzerstörungen, die zu Fehlhaltungen und Funktionsverlust führen.
Treten die Entzündungen nicht in den Gelenken, sondern in Organen auf, dann ist auch ein tödlicher Verlauf der Krankheit möglich. Der Verlauf ist jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich und kann nicht vorhergesagt werden. Wie Patienten auf eine Therapie reagieren, ist bei gleicher Diagnose unterschiedlich. Häufig kommt es auch dazu, dass sich zwei verschiedene rheumatische Erkrankungen zusammenfinden und überlappen.
Was den Verlauf und die Heilung von Rheuma angeht, gibt es vermutlich so viele Meinungen wie Erkrankungen. Von der Schulmedizin bis zur Naturheilkunde tummeln sich Fachärzte und Heilpraktiker, leider nicht alle von ihnen mit der entsprechenden Qualifikation. In jedem Fall gilt für Rheuma, dass es nicht grundsätzlich auch Verbesserungen des Zustandes oder Heilungen geben kann. Ob diese aber auf Behandlungen zurückzuführen sind, oder ob es zu einer Spontanheilung oder Selbstheilung gekommen ist, wird wohl kein Arzt ernsthaft belegen können. Selbst bei Gelenkrheuma, wo der Verschleiß schon Schäden verursacht hat, kommt es manchmal zu einem Abklingen der Krankheit und einer Verbesserung des Zustandes, weshalb manche Ärzte auch behaupten, dass selbst Arthrose nicht als Verschleißkrankheit anzusehen sei.
Selbst Psychoanalysten beschäftigen sich mit Rheumapatienten und wollen bereits den „Rheumatypen“ gefunden haben. Es ist schwer zu entscheiden, wie viel Glauben man solchen Behauptungen schenken sollte, aber ist nicht von der Hand zu weisen, dass jede Erkrankung auch ihre psychischen Komponenten hat. Wer also als Rheumapatient parallel zu einer fachärztlichen Betreuung noch einen Psychotherapeuten aufsucht, kann sicher nichts falsch machen. Eine rein psychische Ursache für Rheuma scheint nicht in Betracht zu kommen, was aber nicht bedeutet, dass Heilung über dieses Gebiet nicht möglich ist.

